Cyberattacken

Aug. 31, 2026 | DIZ Fachbeiträge, Nicht kategorisiert

Am 17. Oktober 2024 fand im Digitalen Innovationszentrum Greifswald (DIZ Greifswald) die

Veranstaltung „Bits & Matjes“ statt – ein etabliertes Angebot zur Förderung der

Digitalisierung im Kreis Vorpommern Greifswald. Die Veranstaltung, die durch das DIZ

Greifswald und in Kooperation mit dem Landkreis Vorpommern-Greifswald, der Industrie-

und Handelskammer Neubrandenburg (IHK), der Handwerkskammer Ostmecklenburg-

Vorpommern der Bundesagentur für Arbeit Greifswald durchgeführt wird, brachte von 12:00

bis 14:00 Uhr Unternehmer:innen, Digitalisierungsinteressierte und Expert:innen zusammen.

Ziel war es, die digitale Transformation in der Region voranzutreiben und die regionale

Wirtschaft zu stärken. Mit einer gelungenen Mischung aus praxisnahen Fachvorträgen,

Beratung und Networking bot die Veranstaltungsreihe ein spannendes, informatives und

inspirierendes Programm, das darauf abzielte, Unternehmen, Gründer:innen und

Interessierte im Bereich der digitalen Transformation zu unterstützen und zu vernetzen.

„Bits & Matjes“ findet monatlich statt und deckt ein breites Spektrum digitaler Themen ab.

Das Format besteht aus zwei Hauptkomponenten. Die Veranstaltung beginnt mit

Impulsvorträgen von Expert:innen und Präsentationen zu aktuellen digitalen Trends und

Technologien. Die anschließende Netzwerkphase dient dazu, bei einem kleinen, informellen

maritimen Imbiss (symbolisiert durch das namensgebende „Matjes“) Kontakte zu knüpfen

und Erfahrungen auszutauschen. Diese Struktur fördert sowohl den Wissenstransfer als

auch die Bildung von Kooperationen zwischen verschiedenen Akteuren der regionalen

Wirtschaft.

Vollständig vom Land Mecklenburg-Vorpommern gefördert, bietet das DIZ Greifswald

beratende Leistungen für Unternehmen im Digitalisierungsprozess, Impulse für innovative

digitale Lösungen und ein umfangreiches Netzwerk für den Austausch zwischen

verschiedenen Akteuren. Das DIZ fungiert somit als treibende Kraft für die digitale

Transformation in der Region.

Der Themenschwerpunkt der aktuellen Veranstaltung konzentrierte sich auf „Cyberattacken“.

Cybersicherheit in der Praxis – Andreas Thiel, Clausohm-Software GmbH

Andreas Thiel von der Clausohm-Software GmbH führte die Teilnehmer durch die vielfältigen

Facetten der Cybersicherheit und stellte gezielte Maßnahmen vor, die insbesondere für

kleine und mittlere Unternehmen (KMU) relevant sind:

1. Kontinuierliche Schutzmaßnahmen: Clausohm setzt auf Continuous Protection und

bietet unter anderem Penetrationstests und Schwachstellenanalysen an. Das

Monitoring as a Service ist ein zentraler Service, der Unternehmen hilft, ihre Systeme

kontinuierlich auf potenzielle Bedrohungen zu überwachen.

2. Sicherheitsüberprüfungen und Red Teaming: Clausohm führt

Sicherheitsüberprüfungen mit simulierten Angriffen durch, um Schwachstellen in IT-

Infrastrukturen aufzudecken. Red Teaming ermöglicht, durch gezielte Angriffe und

Social Engineering-Taktiken die Sicherheitsvorkehrungen eines Unternehmens

realitätsnah zu testen.

3. Phishing-Kampagnen und Schulungen: Simulierte Phishing-Mail-Kampagnen

helfen, Mitarbeitende für diese Art von Cyberangriffen zu sensibilisieren. Clausohm

setzt zusätzlich auf eine eigens entwickelte Awareness-Plattform, die Mitarbeitende

schult und vorbereitet.

4. Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI): KI wird bei Clausohm zur Erstellung täuschend

echter Phishing-Mails genutzt, die es ermöglichen, Schwachstellen in der

menschlichen Wahrnehmung zu identifizieren und das Bewusstsein für Bedrohungen

weiter zu schärfen.

5. Beratung zu Sicherheitsrichtlinien: Clausohm unterstützt Unternehmen bei der

Einführung eines Informationssicherheits-Management-Systems (ISMS), das

strategisch in Sicherheitsrichtlinien und Notfallmanagement (BCM) eingebettet ist. Für

KMU stellt dies eine praktikable Herangehensweise dar, um

Cybersicherheitsmaßnahmen nachhaltig zu implementieren.

Innovative Authentifizierungsmethoden – Viktor Garske, Institut für

sichere mobile Kommunikation an der Hochschule Stralsund

Viktor Garske vom Institut für sichere mobile Kommunikation an der Hochschule Stralsund

widmete sich in seinem Vortrag dem Thema moderner Authentifizierungsmethoden und

stellte Passkeys als zukunftsweisende Alternative zu Passwörtern vor:

1. Hintergrund zu Passwörtern: Garske begann mit einem historischen Überblick und

erklärte, wie Passwörter seit den 1960er-Jahren zur Authentifizierung genutzt

werden. Problematisch ist, dass Passwörter anfällig für Phishing und andere Angriffe

sind.

2. Passkeys als sichere Alternative: Passkeys basieren auf einem Schlüsselpaar, das

mit dem Domainnamen einer Website verknüpft ist und somit nicht durch Phishing

kompromittiert werden kann. Diese Schlüssel werden sicher auf dem Endgerät oder

einem Authentifizierungs-Token gespeichert und nur nach erfolgreicher Verifizierung

freigegeben.

3. Implementierung und Vorteile: Für die Nutzung von Passkeys ist die „Web

Authentication API“ (WebAuthn) erforderlich. Garske betonte, dass diese Technologie

benutzerfreundlicher und sicherer ist als Passwörter und bereits von großen

Anbietern wie Google und Apple unterstützt wird.

4. Kritische Betrachtung: Garske wies darauf hin, dass Passkeys viele Phishing-

Risiken eliminieren, aber auch einige Einschränkungen aufweisen. Zum Beispiel sind

Passkeys an ein bestimmtes Gerät gebunden und erfordern häufig die Integration

von Cloud-Diensten zur Synchronisation.

IT-Sicherheit im Hochschulkontext – Gordon Grubert,

Universitätsrechenzentrum Greifswald

Gordon Grubert, der technische Leiter des Rechenzentrums der Universität Greifswald,

erläuterte die Herausforderungen und Strategien, mit denen Hochschulen wie die Universität

Greifswald ihre IT-Infrastrukturen absichern:

1. Risikoanalyse und Bedrohungsbewertung: Grubert betonte, dass die Universität

potenziellen Cyberbedrohungen gut gerüstet gegenübertritt. Die größten Gefahren

gehen von ungesicherten IT-Infrastrukturen aus, die wie ein „Kartenhaus“

zusammenfallen können, wenn zentrale Komponenten wie Active Directory

kompromittiert werden.

2. Ebenenübergreifende Sicherheitsstrategie: Ein zentrales Element der

Sicherheitsstrategie ist die Verwendung von offenen Standards und dezentralen

Lösungen. Das Netzwerk, die Anwendungen und das Identitätsmanagement (IdMS)

werden so strukturiert, dass der Ausfall einer Komponente nicht die gesamte

Infrastruktur gefährdet. Grubert stellte einen Failover-Plan vor, der den Ausfall

zentraler Systeme in kürzester Zeit beheben kann.

3. Honeypot-Strategie zur Ransomware-Prävention: Um Ransomware-Angriffe zu

erkennen, setzt die Universität Honeypots auf dem Fileserver ein. Diese Fallen

registrieren unautorisierte Zugriffe und leiten sofort Gegenmaßnahmen ein, wie z. B.

die Sperrung der Angreifer-IP und betroffener Nutzenden.

4. Benutzerfreundliche Sicherheitsmaßnahmen: Grubert verwies auf die Bedeutung

benutzerfreundlicher, aber konsequenter Sicherheitsmaßnahmen wie Zwei-Faktor-

Authentifizierung (2FA) für VPN-Zugänge. Auch wenn dies für manche Nutzer

unbequem erscheint, ist es ein essenzieller Schritt, um die Sicherheit der

universitären IT-Infrastruktur zu gewährleisten.

Fazit

Die Veranstaltungsreihe „Bits & Matjes“ hat sich als ein wirksames Forum zur Förderung der

Digitalisierung im Landkreis Vorpommern-Greifswald etabliert. Die praxisnahen Vorträge von

ExpertInnen wie Andreas Thiel, Viktor Garske und Gordon Grubert bieten einen tiefen

Einblick in die Herausforderungen und Lösungen rund um die Cybersicherheit und digitale

Transformation. Mit der Fokussierung auf Wissenstransfer, Anwendungsbeispiele und

Netzwerkbildung stärkt „Bits & Matjes“ die digitale Kompetenz der Region und trägt aktiv zur

digitalen Innovationsstrategie von Mecklenburg-Vorpommern bei.

Hier als download

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